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Das Wort "cat", geschrieben mit der Software Ductus

Projekt Schreibtablet

Ziel dieses Teilprojektes ist es zu untersuchen, an welchen Merkmalen geschriebener Wörter sich Kinder und Erwachsene beim Schreiben orientieren und welche dieser Merkmale hilfreich oder auch hinderlich beim Schreiben sind. Für das Französische gibt es beispielsweise Befunde, die zeigen, dass sich Kinder beim Schreiben zunächst an Silben orientieren, mit steigender Beherrschung der Schrift aber eine andere Eigenschaft von Wörtern eine größere Rolle einnimmt, und zwar die Häufigkeit, mit der aufeinanderfolgende Buchstaben in der geschriebenen Sprache auftreten. Hier zeigt sich, dass Schreiberinnen und Schreiber sich statistische Eigenschaften geschriebener Sprache, wie solche Häufigkeiten, bei ihrer Wortproduktion zunutze machen können. Dies hat Auswirkungen darauf, wie Orthographievermittlung im Unterricht in der Grundschule betrachtet werden kann. Die statistischen Eigenschaften von Wörtern werden nicht aktiv gelernt, sondern implizit – beim Lesen und Schreiben – erworben. Das bedeutet, dass sie nicht ausdrücklich besprochen, aber durch erkennbare Regelmäßigkeiten angeeignet werden können. Hierbei ist es entscheidend, welchen Raum der Unterricht in der Schule dieser Aneignung gibt. Es gibt Konzepte, in denen davon ausgegangen wird, dass dies ganz nebenbei geschieht, vorausgesetzt, die Kinder schreiben genügend. Andere Konzepte nehmen an, dass es wichtig ist, das, was Kinder lesen und schreiben sollen, derart aufzubereiten, dass sie nach und nach mit neuen Strukturen konfrontiert werden, aus denen Regelhaftigkeiten erkennbar sind. 
Wir wollten herausfinden, welche statistischen Eigenschaften und andere Merkmale von Wörtern im Deutschen Einheiten beim Schreiben bilden. Dazu untersuchten wir den zeitlichen Verlauf der handschriftlichen Wortproduktion von Kindern mithilfe eines Graphiktablets und einer speziellen Software. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Technische Informationen zur Datenerhebung. Wir versuchen dadurch zu verstehen, welche Merkmale geschriebener Wörter beim Schreiben relevant sind.

Dazu haben wir insgesamt drei Experimente durchgeführt, in denen wir jeweils vier Altersgruppen (Dritt-/Viertklässler, Fünft-/Sechstklässler, Studierende, ältere Erwachsene) getestet haben. In den Experimenten schrieben die Teilnehmenden Wörter mit und ohne orthographische Besonderheiten. Zum Beispiel verglichen wir die schriftliche Realisierung beim Schreiben von Wörtern wie Wald und Welt. Anders als das Wort Welt, in dem der letzte Laut im Wort ([t]) so geschrieben wird, wie er gesprochen wird, wird das Wort Wald am Ende mit <d> geschrieben. Damit wird in der deutschen Orthographie kenntlich gemacht, dass Wald und andere Formen, in denen es auftreten kann, z. B. die Wälder, des Waldes, ein und demselben Wortstamm zuzuordnen sind. Die Schreibung ist also für Lesende eine hilfreiche Unterstützung beim Dekodieren eines Textes, in dem das Wort Wald vorkommt. Umgekehrt verlangt die Schreibung Schreibenden ab, dass sie sich von der Lautung des Wortes Wald lösen und nicht den Buchstaben schreiben, den sie unmittelbar mit der Lautung verbinden (<t>), sondern einen anderen (<d>). 
Für die Auswertung der Experimente mussten wir zunächst die Daten, die auf dem Tablet aufgezeichnet wurden, kodieren. Das ist sehr zeit- und ressourcenaufwendig, zumal wir, anders als die meisten anderen Studien, die mit Schreibtables arbeiten, nicht nur einzelne Buchstaben, von denen wir vermuten konnten, dass sie für den Vergleich relevant sind, vermessen haben (also <d> vs. <t> im Beispiel oben), sondern alle Buchstaben im Wort. Das war deutlich aufwendiger, als wir veranschlagt haben, aber die Daten sind nun weitgehend aufbereitet und wir hoffen, sie bis zum Ende der Prpojektlaufzeit (Ende 2022) zur Veröffentlichung einreichen zu können.